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Unsicherheit und Komplexität in Planungsprozessen

Unsicherheit und Komplexität in Planungsprozessen

Der Abschluss meiner Dissertation an der TU Dortmund ist schon fast drei Jahre her. Seit wenigen Tagen ist die Arbeit ” Unsicherheit und Komplexität in Planungsprozessen: Planungstheoretische Perspektiven auf Regionalplanung und Klimaanpassung” jetzt auch digital als PDF verfügbar. Text und Seitenzahlen stimmen mit der Veröffentlichung im Rohn-Verlag aus Oktober 2016 überein (ISBN: 978-3-946319-07-8).

My PhD Thesis (book pubslished in late 2016) from TU Dortmund University is now available as PDF in its full text version. Translated title: “Uncertainty and Complexity in Planning Processes: Theoretical Perspectives on Regional Planning and Climate Adaptation”.

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Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung

Die Diskussionen der letzten zwei Jahre und das Aufeinandertreffen von Postwachstum und Stadt-/Raumplanung haben wir im Frühjahr 2019 in sechs Thesen zusammenfassen können. Im April 2017 ist mir auf einer Zugfahrt im Münsterland bei der Vorbereitung unserer ersten Diskussionsreihe zu Räumen, Akteuren und Prozessen in einer Postwachstumssgesellschaft der Begriff “Postwachstumsplanung” eingefallen. Seitdem haben wir ihn im Kollektiv ausgebaut über viele Formate, unsere Facebook-Seite, eine eigene Domain und zuletzt Anfängen eines YouTube-Kanals.

Diese “Sechs Thesen einer Postwachstumsplanung” von mir und Viola Schulze Dieckhoff wurden in der vorliegenden Form am 29. Juni 2019 auf dem ARL-Kongress „Postwachstum und Transformation: Planen – Steuern – Wirtschaften“ mit einem Sonderpreis des Förderkreises für Raum- und Umweltforschung e. V. (FRU) und der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) ausgezeichnet.

The discussion of more than two years to bring post-growth research and spatial organisation and planning together is condensed into six propositions, awarded with a special award for spatial and environmental research in 2019.

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Raum und Würde

Raum und Würde | Spaces of Dignity

Mit Veröffentlichungen und Veranstaltungen ist die Arbeitsgruppe “Spaces of Dignity” im Rahmen der Global Young Faculty (vorläufig) zu einem Abschluss gekommen. Ich bin froh, in den letzten 1,5 Jahren hier viel gelernt zu haben, mit vielen unterschiedlichen Menschen sprechen zu können und ein wichtiges Thema – die Zusammenhänge von Raum und Würde – über vielen disziplinäre Grenzen hinweg beleuchten zu können. Die Global Young Faculty wurde auf einer gemeinsamen Veranstaltung aller Arbeitsgruppen am 15. März 2019 auf der Zeche Zollverein abgeschlossen.

With publications and events, the working group “Spaces of Dignity” within the Global Young Faculty (preliminary) finished its work. I am happy and proud about the opportunity to learn much during the past 1.5 years, to speak with many diverse people on this important topic – the relations between dignity and space – beyond manifold disciplinary boundaries.

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Regenbogen

Buch: Würde (Gerald Hüther, 2018)

Im letzten Jahr habe ich von Gerald Hüther “Die Macht der inneren Bilder” (2004) gelesen. Dabei wurde bereits eins seiner folgenden Bücher unter dem Titel “Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft” angekündigt, das jetzt Anfang 2018 erschienen ist. Würde ist zwar in Artikel 1 unseres Grundgesetzes die Grundlage unseres Zusammenlebens, aller Rechtsvorschriften und Kern von Stadt- und Raumplanung. Ihr Inhalt bleibt aber abstrakt. Kann man würdevoll handeln – oder wie? Können Räume selbst würdevoll sein – oder wie können sie in einem würdevollen Prozess gestaltet werden? Was könnten Gedanken eines Hirnforschers über Würde für Planer*innen bedeuten?

Das Buch beginnt bereits mit einem klaren Statement: “Verletzt nicht jeder, der die Würde eines anderen Menschen verletzt, in Wirklichkeit seine eigene Würde?” (Vorspann). Damit wird der rote Faden durch das Buch bereits deutlich: es ist ein klarer Aufruf dazu, den Würdebegriff auch auf sich selbst zu beziehen. Das Buch entwickelt daraus eine positive Vorstellung davon, wie das Zusammenleben in unserer Gesellschaft besser funktionieren kann, wenn sich mehr einzelne Menschen ihrer eigenen Würde bewusst werden.

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To question or not to question, that's the question... (Dortmund)

Planung als Management von Komplexität (2013)

Viele Planer*innen sprechen über Probleme mit Komplexität, einer gestiegenen Komplexität der Welt oder dem Wunsch danach, viel Komplexität reduzieren zu können. Dabei bleibt häufig offen, was Komplexität überhaupt ist, was konkret damit verbunden ist und was damit für ein Planungsverständnis impliziert ist. Grundlegende Fragen, die mich schon lange beschäftigen und sich auch durch meine Dissertation (2016) ziehen.

Bereits 2012/13 habe ich einen kurzen Abschnitt für einen Artikel verfasst, der bis heute unveröffentlicht geblieben ist. Der Teil sollte Anknüpfungen in Richtung Klimaanpassung bieten. Ich würde einige Sätze heute anders schreiben, setze aber meine damalige Perspektive im Folgenden unverändert hinein (unveränderter Stand vom 31.07.2013). Ein Teil der Ideen beschäftigt mich bis heute: systemischer und systemtheoretischer Ansatz, Unmöglichkeit von Unsicherheitsverlagerung statt -reduktion, inklusive Prozesse und deren Regeln, positive Perspektive auf Möglichkeiten zur Veränderung (auch) durch kleinteilige Handlungen. Ein paar Begriffe haben sich ergänzt oder verstärkt: Rollenverständnisse, Erklärungsansätze (z.B. Emotionen, tief liegende Muster, Zeit), Postwachstumsplanung.

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Christchurch 2015

Buch: Das metrische Wir (Steffen Mau, 2017)

“Zahlen lügen nicht” – so zumindest eine weit verbreitete Meinung. Aber: können Zahlen überhaupt sprechen? Und was sagen sie dann? Was passiert durch eine fortschreitende Quantifizierung unserer Gesellschaft und aller Teilbereiche des Lebens? Rankings und Ratings, Scorings und Screenings, Sterne und Punkte oder Balken und Kurven bestimmen nicht nur die Wirtschaft, sondern zunehmend das Zusammenleben aller Menschen in allen Teilen der Welt. Was macht das mit dem Sozialen? Was mit dem Zusammenhalt und was mit Gemeinschaft(en)? Fragen, denen sich Steffen Mau in “Das metrische Wir: Über die Quantifizierung des Sozialen” (suhrkamp, 2017) widmet. Wunsch nach Evidenz, Zahlen und Vergleichbarkeit auf der einen Seite – Wunsch nach Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Zusammenhalt auf der anderen. Ein Spannungsfeld, dass das Buch spannend macht.

Der Titel führt eigentlich etwas in die Irre. Das metrische Wir zeigt sich am Ende als individuelles und quantifiziertes Ich, das sich nicht mehr als gleichberechtigter Teil einer Gemeinschaft definiert, sondern nur durch quantifizierte wertende Abgrenzung gegenüber anderen. Ohne Gesellschaft ist jedes Ich nichts. Aber das Ich wird nicht bedeutsam als Teil von etwas Größerem, das gemeinsame Sicherheit und Zufriedenheit bietet. Das Ich wird bedeutsam in quantifizierter Abgrenzung zu anderen. Am Ende droht die Gefahr, blind zu werden, für alles, was nicht quantifizierbar ist. Sicher ein Trend, den viele Planer*innen bestätigen können. Dazu lohnt sich der Blick durch das Buch von Steffen Mau.

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Weimar

Buch: Slow Travel – Die Kunst des Reisens (Dan Kieran, 2014)

Der Titel des Buchs von Dan Kieran macht deutlich: es geht um Reisen – und um ein Reisen, dass mehr ist als unterwegs sein. Das Buch Slow Travel ist 2012 in englischer Ausgabe und 2013/14 in deutscher Übersetzung erschienen. Ich habe kürzlich die deutsche Ausgabe gelesen, auf die ich mich hier beziehe. Ein “Loblied auf das Ungeplante, auf das Loslassen” (Tom Hodgkinson, im Vorwort) und eine Anregung zum bewussten Reisen. Auf den ersten Blick ein Buch ohne Bezug zur Raumplanung – auf den zweiten Blick allerdings auch Gedanken, die mitten hinein führen in aktuellen Stadt- und Planungsdiskussionen, Raumwahrnehmungen und Postwachstumsplanung.

Das Buch fordert in sieben Kapiteln zu einer anderen Art des Reisens auf – oder im Sinne Dan Kierans gesagt: zu einer Rückbesinnung auf den ursprünglichen Gedanken dahinter. Reisen bedeutet dann nicht eine Veränderung des Ortes, sondern auch Erfahrungen auf dem Weg und eine Veränderung in sich selbst. Zentrale Forderungen (Kapitel): Reise nicht nur, um anzukommen. Bleib zu Hause. Sei dein eigener Reiseführer. Heiße Katastrophen willkommen. Folge deinem Instinkt. Verliere den Kopf. Sei abenteuerlustig. Langsames Reisen ist hierbei relativ. Langsam genug, den Weg zu erleben. Schnell genug, andere Orte zu erreichen.

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Pakistanische LKW-Fahrer (Quelle: Weit GbR)

Film: WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt (2017)

Kurz nach Weihnachten habe ich den Film “WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt” gesehen, der bereits seit Juni 2017 vor allem in kleineren Kinos in Deutschland läuft und einen unerwartete großen Ansturm erlebt hat. Oder, wie die Webseite einleitet: “Staunend stehen wir da und beobachten, was für einen weiten Weg durch die Herzen der Menschen unsere Reisedoku „WEIT.“ sich gesucht hat und immer noch sucht. 330.000 Zuschauer und Zuschauerinnen haben den Film mittlerweile schon gesehen und ihn so zu der mit Abstand erfolgreichsten Kinodokumentation 2017 in Deutschland gemacht.”

Mit Raumplanung hat der Film nichts zu tun, und auch wenig mit Städten, gebauter Umwelt oder Infrastrukturen. Stattdessen stehen Menschen im Mittelpunkt – unter anderem die mehr als 600 Fahrer*nnen, von denen Gewendolin Weisser und Patrick Allgaier im Laufe von drei Jahren und 110 Tagen mitgenommen wurden. Und viele unberührte Landschaften, in denen das mitgenommene Zelt immer wieder seinen Platz findet. Ganz im Gegensatz zu Städten, denen der Film wenig Zeit widmet und die vielfach – deutlich ausgedrückt am Beispiel Indien – als zu hektisch und unübersichtlich erscheinen.

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Stadt- und Raumplanung und/vs Postwachstum?

Postwachstumsgesellschaft mit räumlicher Planung zusammenzubringen bringt komplexe Fragestellungen hervor. Was passiert, wenn etablierte Planungswissenschaftler/innen und Planungspraktiker/innen auf Postwachstumsdiskussionen treffen? Welche Veränderungsperspektiven löst der Begriff und lösen damit verbundene konzeptionelle Vorstellungen aus? Wir haben am 24. November 2017 in Münster zur Eingrenzung und Ausgestaltung einer Postwachstumsplanung diskutiert.

Eingebracht wurden auch Erfahrungen aus den drei IdeenLaboren zu Räumen, Akteuren und Prozessen einer Postwachstumsgesellschaft zwischen Mai und September 2017. Anlass und Diskussionsrahmen war eine Sitzung der Landesarbeitsgemeinschaft NRW der ARL, auf der an sechs Thementischen in den Räumen der Bezirksregierung Münster aktuelle Themen und mögliche zukünftige Arbeitsschwerpunkte offen diskutiert wurden.

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Postwachstumsplanung – Räume, Akteure, Prozesse

Die vielfach diskutierte sozial-ökologische Transformation ist auch mit der Forderung nach raumbezogenen Veränderungen verbunden. Dabei ist jedoch oft unklar, wer Veränderungen vordenken, anstoßen, begleiten und schließlich umsetzen kann und sollte. Wo entstehen diese Veränderungen und wie werden sie implementiert, adaptiert und ausgehandelt?

Diesen Kernfragen widmet sich die Initiative Postwachstumsgesellschaft der Regionalgruppe NRW im Jungen Forum der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL). Sie hat hierfür ein IdeenLabor Postwachstumsgesellschaft initiiert. In drei Diskussionsveranstaltungen wurde im Mai, Juni und September jeweils ein Thema – Räume, Akteure, Prozesse – in den Fokus gerückt. Insgesamt haben sich mehr als 50 Personen – Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen, Aktivist*innen, … – an der Diskussion beteiligt.

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