Raum und Würde

Raum und Würde | Spaces of Dignity

Mit Veröffentlichungen und Veranstaltungen ist die Arbeitsgruppe “Spaces of Dignity” im Rahmen der Global Young Faculty (vorläufig) zu einem Abschluss gekommen. Ich bin froh, in den letzten 1,5 Jahren hier viel gelernt zu haben, mit vielen unterschiedlichen Menschen sprechen zu können und ein wichtiges Thema – die Zusammenhänge von Raum und Würde – über vielen disziplinäre Grenzen hinweg beleuchten zu können. Die Global Young Faculty wurde auf einer gemeinsamen Veranstaltung aller Arbeitsgruppen am 15. März 2019 auf der Zeche Zollverein abgeschlossen.

With publications and events, the working group “Spaces of Dignity” within the Global Young Faculty (preliminary) finished its work. I am happy and proud about the opportunity to learn much during the past 1.5 years, to speak with many diverse people on this important topic – the relations between dignity and space – beyond manifold disciplinary boundaries.

Würde ist die Möglichkeit zu werden“ (B. Davy) – ein zentraler Satz aus der Veranstaltung „Raum und Würde“ am 1. und 2. Februar 2019 in Dortmund. Mit elf Referentinnen und Referenten, Schülerinnen und Schülern der Dortmunder Schule am Hafen und weiteren Gästen haben wir über Würde öffentlicher und privater Räume und unsere Arbeitsergebnisse diskutiert. Die Veranstaltung hat zu produktiven Konfrontationen geführt und zum eigenen Nachdenken angeregt: Lebendige Lebensumfelder in der Dortmunder Nordstadt mit heterogenen persönlichen und kulturellen Ansprüchen auf engstem Raum und letzte Lebensräume und Hospizarbeit mit Ansprüchen an würdevolle Abschieds- und Sterbeorte. Diese Konfrontation führte zum Nachdenken, zum Abarbeiten innerer Konflikte in den Köpfen der Anwesenden und zur Reflexion darüber, wie wir uns die Räume wünschen, die uns in den verschiedenen Phasen des Lebens umgeben, und sie gestalten können.

In einer von zwei Untergruppen habe ich mit damit beschäftigt, welche Orte heute einen würdevollen letzten Abschnitt des Lebens ermöglichen und was das für die Gestaltung in dieser besonderen Situation bedeutet. Mit Besuchen im Museum für Sepulkralkultur, mehreren Besuchen im Hospiz Am Ostpark während Umbauarbeiten, in einem Übergangsquartier in der Nähe des Dortmunder Zoos sowie im umgebauten Gebäude am alten Standorten haben sich für mich tiefe Einblicke in diese Räume geboten. Für mich hat gerade dieses Thema sicher viele neue Anstöße gegeben, auch öffentliche Räume und Städte – mit denen ich mich sonst beschäftige – mit einer anderen Perspektive zu reflektieren. Das Zusammenspiel zwischen kleinen Gestaltungselementen und vielen engagierten Menschen ist in diesem Umfeld in einer besonderen Tiefe erkennbar.

Die Arbeit in der Arbeitsgruppe ist im März/April 2019 abgeschlossen – inhaltlich hoffe ich aber, dass es mit dem entstandenen Netzwerk und vielen offenen Fragen und Ideen weiter geht. Als Zwischenschritt dazu haben wir Impulse aus der Arbeit in Buchform veröffentlicht. Das Werk „Raum und Würde:  Interdisziplinäre Beiträge zum Verhältnis von Normativität und räumlicher Wirklichkeit. Städtebau – Transitorte – Hospize“ ist im transcript Verlag gedruckt und als PDF (Open Access, ISBN 978-3-8376-4732-7) erhältlich.

Für die Arbeitsgruppe durfte ich zudem am 21. März 2019 Grußworte zur Wiedereröffnung des umgebauten Hospizes am Ostpark sprechen dürfen. Die Veranstaltung war sehr beeindruckend in der Art und Weise, wie viel persönliches Engagement in die Umgestaltung des Hospizes Am Ostpark geflossen ist und wie menschliche und gestalterisches Aspekte in einem Gebäude gemeinsam gedacht werden können. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie sich die Wiedereröffnung eines Hospizes von anderen Veranstaltungen unterscheidet. Im Ergebnis würde ich sagen: gar nicht so viel. Eine Wiedereröffnung ist ein schöner Anlass, der auch mit positiver Stimmung gefeiert wird. Mit der Ausnahme, dass viele Reden und Diskussionen viel reflektierter und persönlicher sind. Es ist eben doch keine Alltagssituation, sondern ein Raum, der zum offenen und persönlichen Nachdenken führt – etwas, was wir sicher auch in öffentlichen Räumen oft mehr gebrauchen könnten.

Damit sind die 1,5 Jahre in der Arbeitsgruppe formal abgeschlossen. Für mich bleiben aber auch mehrere Beiträge und Veröffentlichungen aus dem Projekt, an denen ich beteiligt war:

  • Lamker, Christian W. (2019). Menschenwürde und die vielen Rationalitäten des Seins: Ein Gespräch mit Benjamin Davy über Menschenwürde, Eigentum und die planerische Gestaltung der Raumgebundenheit menschlicher Existenz. In J. Haltaufderheide, I. Otte, & P. Weber (Hrsg.), Raum und Würde: Interdisziplinäre Beiträge zum Verhältnis von Normativität und räumlicher Wirklichkeit. Städtebau – Transitorte – Hospize. (S. 65–78). Bielefeld: Transcript.
  • Lamker, Christian W. (2019). Raumbeschreibungen: Auf der Suche nach Würde im Raum. In J. Haltaufderheide, I. Otte, & P. Weber (Hrsg.), Raum und Würde: Interdisziplinäre Beiträge zum Verhältnis von Normativität und räumlicher Wirklichkeit. Städtebau – Transitorte – Hospize. (S. 49–64). Bielefeld: Transcript.
  • Backhaus, Nils; Haltaufderheide, Joschka; Lamker, Christian W.; Otte, Ina & Reichert, Stefanie (2019). Projektbeschreibung: Hospiz als (letzter) Lebensraum. In J. Haltaufderheide, I. Otte, & P. Weber (Hrsg.), Raum und Würde: Interdisziplinäre Beiträge zum Verhältnis von Normativität und räumlicher Wirklichkeit. Städtebau – Transitorte – Hospize. (S. 107–114). Bielefeld: Transcript.
  • Lamker, Christian W. (2019). Raum und Würde: Global Young Faculty. Friedhof und Denkmal | Zeitschrift für Sepulkralkultur, 64(1-2): 45–47.

Zur Global Young Faculty: Das Netzwerk ist eine Initiative der Stiftung Mercator in Zusammenarbeit mit der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr), zu der sich die Ruhr-Universität Bochum, die Technische Universität Dortmund und die Universität Duisburg-Essen zusammengeschlossen haben. Koordiniert wird die Global Young Faculty vom Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) in Essen.

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